Geschichte

Obzwar der Name des Vereins einen anderen Eindruck hinterlässt, ist die musikalische Arbeit der MSG deutlich älter.

 

Die musikalischen Anfänge als Spielmannszug

 

In den 1950iger Jahren gründete eine Gruppe musikbegeisterter im Sportverein MTV Ölsburg einen Spielmannszug. Unter der Leitung des Schlagzeugers Herrn Bartels und mit Hilfestellung des TSV "Bildung" Peine wurden die ersten Flötentöne und Marschrhythmen einstudiert. Nach ein paar Jahren wurde der Spielmannszug von Franz Kliemann geführt.

 

Um das Jahr 1961 übernahm dann Herbert Löhr, ein strebsamer junger Mann Anfang zwanzig, die Leitung.. Er stellte den Kontakt zum NTB her, ersetzte die Grifftabellen durch Noten und baute den Spielmannszug zu einer gesunden Abteilung innerhalb des Vereins auf. Sein Engagement endete 1966 mit der Aufnahme seines Studiums in Berlin.

 

Der damals siebzehnjährige Bernhard Lott übernahm die damals sehr junge Truppe. Kaum ein Musiker war älter als er. Trotz aller Jugendlichkeit gelang, was kaum einer erwartet hatte: der Spielmannszug begleitete erfolgreich die Bürger-Jäger-Korporation bei den Ausmärschen des Peiner Freischießens. Der Spielmannszug hatte seine Feuertaufe bestanden und etablierte sich.

 

Zu Beginn der 1970iger Jahre ging es steil bergauf. Die Musikverbände erkannten die Notwendigkeit einer systematischen Nachwuchsförderung und boten Lehrgänge sowie Notenmaterial an. Der Spielmannszug nutzte diese Möglichkeiten um seine musikalische Basis weiter auszubauen.

 

Um 1975 war die volle Spielstärke erreicht. Man hatte einen vollständigen Flötensatz (Sopran-, Alt- und Tenorflöten) und das Schlagzeug war mit allerlei "Klapperkram" ausgerüstet. Das Prunkstück war ein Xylophon, auf dem Helmut Liebelt mehr als einmal die "Erinnerungen an Zirkus Renz" spielte.

 

In dieser Zeit nahm der Spielmannszug erfolgreich an mehreren Wettbewerben teil. Bei all den Erfolgen war aber auch erkennbar, das eine weitere Entwicklung nicht mehr möglich war. So reifte nach und nach die Idee, den Spielmannszug zu einem Blasorchester umzubauen.

 

Umbau in ein Blasorchester

 

Erste Vorbereitungen begannen 1977. Bernd Lott war ganz in seinem Element. Er organisierte die Ausbildung, warb Gelder für Instrumente und Noten ein. Nach dem deutschen Turnfest in Hannover 1978 beendete der Spielmannszug seine Aktivitäten und das Blasorchester begann mit der Probenarbeit. Wöchentlich wurde eine Registerprobe und eine Orchesterprobe durchgeführt, zusätzlich erhielten einige Musiker noch Einzelunterricht. Versierte Musiker stießen dank Bernds beständiger Werbung zum Orchester. Zur Weihnachtszeit 1979 war man bereits in der Lage ein erstes Jahreskonzert in der Aula des Ilseder Gymnasiums zu präsentieren - unter dem Gastdirigat von Claus Achs.

 

Dieser erkannte das Potential des neuen Orchesters und vermittelte Walter Leschat als Dirigenten. Er war Berufsmusiker (Oboist) in Alt-Gandersheim. Walter Leschat gelang es in den darauffolgenden Jahren einen echten Klangkörper zu formen. Er brachte seinen musikalischen Sachverstand nicht nur ins Orchester ein, sondern steckte die Musiker regelrecht damit an. Kurz nach einem Konzert 1983 – quasi noch am Dirigentenpult – verstarb Walter Leschat überraschend. Das Orchester stand ohne musikalische Leitung da.

 

Man gewann kurzfristig Hans-Henning Schäfer aus Adenstedt, ebenfalls ein Berufsmusiker (Posaunist), der u.a. bei den "Bückeburger Jägern" aktiv war.  Aber seine Verpflichtung war nicht von Dauer.

 

Ein starkes Team

 

Mit dem Engagement von Wilhelm Kammerer im Jahre 1987 gelang Bernd Lott ein absoluter Glücksgriff, wie ihn nur wenige Orchester je erleben können. Wilhelm Kammerer war Trompeter in der Radiophilharmonie des NDR in Hannover und hatte neben Trompete und Komposition auch Blasmusikdirigat studiert. Für Wilhelm bot sich bei der MSG ein wahres Spielfeld, auf dem er sich in jedweder Hinsicht austoben konnte – zugunsten einer großartigen Weiterentwicklung des Orchesters: "Oberstufe" und "Höchststufe" waren bald keine respekteinflössenden Begriffe mehr.

 

Mit der qualitativen Verbesserung stiegen (natürlich) auch die Ansprüche des Orchesters. Längst war die Turnhalle als Übungsraum ungeeignet, es gab nur unzureichende Räumlichkeiten, um das teure Inventar ordentlich unterzubringen, jeder Notenkauf musste vom Turnverein abgezeichnet werden. Die Konflikte mehrten sich und eskalierten schließlich Ende des Jahres 1991.

 

Ausgründung als eigenständiger Verein

 

Das Orchester beschloss in überwältigender Mehrheit, den MTV Ölsburg zu verlassen und einen eigenen Verein auszugründen. Gründungsdatum war der 21. April 1992. Nach der Orchesterprobe unterschrieben 16 Orchestermitglieder die Unterlagen zur Vereinsgründung, in den folgenden Wochen traten die anderen Mitglieder bei. Zum Vorsitzenden wurde Bernhard Lott gewählt. Von nun an war man als "Musik- und Sportgemeinschaft Ilsede von 1992 e.V. (MSG)" eigenständig.

 

Befreit von den Zwängen eines übergeordneten Vereins stand der Kreativität der fast symbiotisch verbundenen Leiter nun nichts mehr im Wege. Bernd Lott organisierte und entwickelte den neuen Verein, Wilhelm Kammerer packte musikalisch immer wieder "eine Schippe drauf". Das Orchester wuchs und wurde zum Sammelbecken für Musiker im Umkreis von rund 50 km. Parallel begann man mit dem Aufbau einer vereinseigenen Musikschule, die sich immer wieder durch innovative Konzepte auszeichnete. So war die MSG 1992 der erste Anbieter von "musikalischer Früherziehung" im weiten Umkreis. Etwa 10 Jahre später startete das selbst entwickelte "Musikspielkreis"-Konzept und 2008 holte die MSG den "Musikgarten®" ins Peiner Land.

 

Das die musikalische Qualität stimmte, zeigt die Erringung des Titels eines "Turnfestsiegers" beim Wertungsspielen während des deutschen Turnfestes in Hamburg 1994. So wurde der NDR auf uns aufmerksam und realisierte mit den Musikern der MSG 1995 die Produktion einer ersten CD.

 

Den Titel des "Turnfestsiegers" konnte das Orchester 1998 wiederholen. Höhepunkt des Münchner Turnfestes war jedoch die Mitgestaltung der Abschlussveranstaltung durch die MSG.

 

Umzug nach Peine

 

Im Jahr 2000 richtete die MSG ein internationales Musikfest  in Peine aus.

 

In dieser Zeit spitzte sich die Raumsituation in Ölsburg immer mehr zu. Verschiedene Pläne wurden diskutiert, eine Lösung in Ölsburg konnte nicht gefunden werden. So griff man zu, als die Stadt Peine dem Verein ein leerstehendes Gebäude im Peiner Unternehmenspark zur Nutzung anbot. In Eigenregie wurden Baupläne erstellt, Wände eingezogen, Sanitäranlagen installiert – und machte aus einer Werkhalle perfekte Räumlichkeiten für unsere Orchester und die vereinseigene Musikschule. Der Bau wurde 2001 eingeweiht und bezogen, der Verein umbenannt. Er heißt seitdem "MSG Peine-Ilsede, Musik- und Sportgemeinschaft von 1992 e.V."

 

Die Orchesterarbeit entwickelte sich weiter. Die MSG beheimatet mehrere Formationen mit unterschiedlichen Besetzungen und musikalischen Schwerpunkten. Mehrere CD's wurden produziert, das symphonische Blasorchester stellte bei Wettbewerben vielfach seine Qualität unter Beweis. Beim jährlichen Jahreskonzert füllt sich das Peiner Stadttheater regelmäßig bis auf den letzten Platz. Im Sommer ist die MSG auf vielen Schützenfesten ein gern gesehener Gast.

 

Die Zukunft beginnt heute

 

Zum Jahresbeginn 2012 folgte dann für alle überraschend die Nachricht, das Maestro Wilhelm Kammerer gesundheitsbedingt zurücktreten muss. Nach kurzer Überlegung konnte Erich Kammerer für die Orchesterleitung gewonnen werden - Wilhelms Sohn ist ebenfalls professioneller Musiker (Geiger) und im Orchester seit seiner Kindheit bekannt. Er hat schon als kleiner Junge beim Schlagzeug ausgeholfen, gesungen und wurde während des Studiums als Geigensolist vom Orchester begleitet.

 

Seine Feuertaufe bestand das Orchester unter dem neuen Leiter 2013 beim deutschen Musikfest in Chemnitz, wo man in der Kategorie 3 mit 94 von 100 möglichen Punkten die höchstmögliche Wertung - "hervorragend" - erzielte.